
Aber bitte mit Sahne
Die Vertonung startet
VOKABELTRAINERHOMEPAGE



Als ich meiner Mutter vor etwa drei Monaten von meinem Projekt mit dem Vokabeltrainer erzählte, kam die vermutlich deutscheste aller Reaktionen. Kritik.
Ja, ich habe darum gebeten und wusste, dass ich bei meiner Familie auch Menschen habe, die aktiv ähnliche Apps nutzen. Also was habe ich erwartet? Einen Schulterklopfer? "Schönes Bild, das kommt an den Kühlschrank...", nein, es war Kritik wie ich sie mir gewünscht habe. Und ich bin unheimlich Glücklich darüber. Immerhin ist das, zum spannendsten Nebenprojekt meines Vokabeltrainers geworden.
Was fehlte meiner Mutter? Meiner Mutter fehlte die Sprachausgabe, Leo hat eine und die ist gut. Also konkurriere ich um die Gunst meiner Mutter mit dem Dictionary, der mir so viele treue Dienste geleistet hat und noch immer leistet.
Ich war so stolz auf 8.105 Vokabeln, Beispielsätze und Grammatik. Alles was für Lernende wichtig ist und wird. Aber die Endnutzerin möchte wissen wie das Wort klingt und das in einer ordentlichen Qualität.
Als ein "Dulli"-DaF Lehrer auf den Philippinen, habe ich jetzt nicht wirklich das Geld über 8.000 Wörter im Tonstudio einzuspielen und das in Englisch und Deutsch. Auch mit meiner eigenen Stimme, würde ein solches Projekt Ewigkeiten dauern.
Je länger ich aber über das Feedback meiner Mutter nachdachte, desto mehr machte es Sinn. Jeden Tag im Unterricht höre ich die kreativen Auslegungen der deutschen Sprache durch meine Schüler. "ch" bietet unendliche Möglichkeiten es zu betonen, mit einer kleinen Vertonung, kann man da vielen Unterrichtenden Zeit und Nerven sparen und Schülern den Moment vor der Klasse eine korrekte Betonung zu üben.
Klar war also, die App braucht eine Stimme. Für eine Vertonung mit Ben Becker fehlt mir das Geld und mit der eigenen Stimme wollte ich nicht arbeiten. Die Lösung musste also digital sein. Wichtig war mir hier keine seelenlose digitale Roboterstimme zu verwenden, sondern eine Stimme, die natürlich und freundlich klingt. Vor allem aber eine Stimme, die man gut verstehen kann. Til Schweiger war also raus.
Gemeinsam mit Ethel traf ich eine Vorauswahl und wir überlegten uns, was genau notwendig ist. Eine schöne Stimme alleine bringt wenig, wenn sie nicht klar zu verstehen ist. Ich schrieb einen Text, der alle Vokale enthielt, diverse Laute und Variationen, so wie Zungenbrecher. Mit den letzten zwei Stimmen, die in der Auswahl geblieben waren, spielten wir dann diesen Text ein und schickten diesen an eine kleine Gruppe von Personen. Danke an euch alle. Spannend war, dass das Ergebnis eindeutig war, obwohl die beiden Stimmen gar nicht weit auseinander liegen. Der Test hätte nicht besser laufen können.
Dank des positiven Feedbacks und moderner Tontechnik, läuft die Vertonung, während ich diese Zeilen schreibe. Ein Script vertont über 16.000 Wörter in zwei Sprachen und Stimmen. Morgen früh sollte dann alles fertig sein und ich werde erfahren, ob die Wörter wirklich klingen, wie die Worte aus dem Testlauf.
Das Vertonen der Vokabeln, habe ich mir immer als das Sahnehäubchen am Ende der Entwicklung vorgestellt. Dass dies hoffentlich doch noch so zeitnah klappt, habe ich mir zu Beginn dieses Projekts nicht erträumt. Zum Übergang gibt es bereits jetzt eine Vertonung über den Browser, die zwar etwas mechanisch klingt, dennoch aber ihren Zweck erfüllt.

richter@maylang.de
